Rauaas Traum

Sie will deutsch reden und sieht ihre Fortschritte. Sie weiß jetzt, dass sie hier mit ihrer Familie leben kann. Das war nicht immer so. Noch vor nicht allzu langer Zeit ging es ihr körperlich und psychisch sehr schlecht. Die Unmöglichkeit, in einem anderen arabischen Land zu leben, die furchtbare Reise nach Europa, die Unsicherheit im fremden Land, die Unkenntnis der Kultur, der Gesellschaft, das Fremdsein einerseits, die Angst um ihre Familie, die in Syrien geblieben ist, andererseits. Noch leben ihre Eltern in Homs mit den beiden jüngeren Schwestern.

Rauaa ist froh, dass die Schule, die hier ihre größeren Kinder besuchen, so gut organisiert ist. Sie erzählt, dass auch in Syrien das Schulsystem gut war und kostenlos. Dann vergleicht sie es mit Ägypten, wo sie eigentlich leben wollten und sich einige Monate aufhielten. Die Schulklassen waren überfüllt und die Lehrer und Lehrerinnen haben keinen Unterricht gemacht, die Kinder konnten nichts lernen. Nur in den teuren Privatschulen hätte es Unterricht gegeben. Sie ist heute noch erschüttert darüber, wie wenig sich der ägyptische Staat um eine gute Schulbildung gekümmert hat.

Aber Rauaa ist auch traurig, weil sie hört, dass Menschen, die dem islamischen Glauben angehören, Schuld an den Terroranschlägen in Paris hätten. „Ich sage den Leuten, da haben wir nichts damit zu tun.“ Besonders traurig macht sie, dass jetzt Syrien von so vielen Ländern bombardiert wird. Warum? Rauaa ist sich inzwischen sicher, dass sie wegen Krieg und Zerstörung nicht mehr in Syrien wird leben können. Jetzt hat sie sich damit abgefunden. Aber sie will einmal wieder ihre Eltern sehen, und ihre Kinder sollten eines Tages nach Syrien zurückkehren können – das ist ihr Traum.