Sehnsucht eigene Wohnung

Viel zu wenige bezahlbare Wohnungen in Stuttgart, radikaler Abbau von Sozialwohnungen in den letzten Jahrzehnten, auch nicht zu unterschätzender Leerstand, aus welchen Gründen auch immer. Eigentum ist geschützt, aber es verpflichtet auch. Vielleicht gäbe es ja auch Möglichkeiten, Vermietern Anreize zu bieten, wenn sie eigenen, verfügbaren, aber leerstehenden Wohnraum auf dem Markt anbieten. Renovierungshilfen zum Beispiel, Unterstützung bei der Vermietungsbürokratie. Kreativität ist gefragt bei der Stadt, wie zum Beispiel in München, da soll auf eigenen Grundstücken zusätzlich Wohnraum geschaffen werden. „Wir suchen Wohnungen für euch. Wir wollen vermitteln. Und wir vom FFF wollen bei den Stuttgarter Vermietern Verständnis für die Flüchtlinge wecken“, sagt Christa Cheval-Saur. Die Flüchtlinge selbst würden schon gerne in ihrer gewohnten Stuttgarter Umgebung bleiben, auch durchaus in die Region ziehen, in andere Teile Deutschlands nein, lieber nicht. In Feuerbach sind sie halt schon ein bisschen  heimisch geworden.

Sie alle haben Sehnsucht nach einer eigenen Wohnung

Omar Alali mit seiner Familie. Er stammt aus der völlig zerstörten und umkämpften Stadt Deirezor zwischen Damaskus und der irakischen Grenze. Seine Familie besitzt jetzt eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre. Ali war zehn Jahre lang Frisör in Syrien, seine Frau arbeitete im Krankenhaus. Die Töchter Hanin, Lilas und Ilaf gehen in die Schule und den Kindergarten. Ali besucht einen Deutschkurs, seine Frau kümmert sich im  Moment um Familie und Kinder. Die Familie wäre auch bereit, in die nähere Umgebung von Stuttgart zu ziehen. Alis Traum: deutsch lernen, Arbeit finden, Wohnung bekommen.

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Meron Hagos ist 21 Jahre alt. Er kommt aus Eritrea. Seit zwölf Monaten lebt er in Deutschland. Ab Juni wird er den Integrationskurs besuchen, er spricht schon jetzt passabel deutsch und gut englisch. Meron hatte in Eritrea angefangen Pharmazie zu studieren, die Lage in dem zerrissenen Land schien ihm jedoch so aussichtslos, dass er sich entschloss zu fliehen. In den Sudan, durch die libysche Wüste, in einem kleinen Flüchtlingsboot nach Italien, von dort nach Deutschland. Über 5.000 Euro hat er an Schlepper bezahlt. Sein Traum: Vielleicht weiter studieren, auf alle Fälle Arbeit und eine kleine Wohnung oder ein WG-Zimmer.

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Ahmad Alkadrou und seine Frau Aven Nabo mit den Kindern Mohamed und Maja. Sie kamen aus Aleppo. Ahmad arbeitete bei der Stadtverwaltung, seine Frau ist Grundschullehrerin. Ein Jahr lang will sie sich ausschließlich um die vier Monate alte Maja kümmern, dann schnell weiter deutsch lernen, Englisch ist für sie kein Problem. Ahmad besucht den Deutschunterricht, dann wird er sich eine Arbeit suchen. Die Familie könnte sich durchaus vorstellen, auch in einer anderen Stadt zu leben: Mannheim, Heidelberg … Hauptsache eine eigene Wohnung. Vier Personen in der Flüchtlingsunterkunft Bubenhalde auf 14 Quadratmetern, mit zwei kleinen Kinder, „wir wollen nicht klagen“, sagt Frau Nabo, „aber eng ist es schon.“

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