Böse Überraschung

Die Jugendlichen sind in der Schule, die Kinder im Kindergarten. Die Häuser gehören einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft, die wollte schon vor einem Jahr eigentlich von Grund auf sanieren. Die betroffenen Wohnräume – also zwar Zwischenlösungen, aber nur wenige wussten, dass die neue Bleibe von so kurzer Dauer sein sollte. Oder sogar noch kürzer. Denn weiter in gutem Amtsdeutsch „Anfang September 2016, ggf. auch früher … ausziehen müssen.“ Und es wird noch besser. „Der Stadt Stuttgart stehen keine Wohnungen zu Verfügung, die Ihnen als Ersatz angeboten werden können.“ Was ja nun keine Überraschung ist. Nahe schon an der Satire, zumindest ein frommer Wunsch ist die Aufforderung an die geschockten Bewohner: „Sie werden daher ausdrücklich gebeten, sich intensiv um Privatwohnraum zu bemühen, wenn die ausländerrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.“

Hoppla, in rund fünf Wochen als Flüchtlingsfamilie eine Wohnung auf dem Stuttgarter Wohnungsmarkt finden, aber locker, nichts einfacher als das. Geht’s noch? Anfang Juli auch noch nicht klar, in welche Unterkünfte die Flüchtlinge zurück müssen, falls das mit der Privatwohnung doch nicht klappen sollte, „…zur Verhinderung von Obdachlosigkeit“. Die arabische Version des Schreibens war für die Flüchtlinge nicht verständlich, warum auch immer, Sozialarbeiter halfen beim Übersetzen und in gutem Deutsch dann die Unterschrift unters Papier: „Mit freundlichen Grüßen von „ gez. 50-60 Aufnahme und Belegung“. Nur nicht zu persönlich werden.

Was lernen wir daraus? Dem Freundeskreis Flüchtlinge Feuerbach liegt nichts ferner, als verschiedene Anspruchsgruppen auf Wohnraum gegeneinander auszuspielen. Und das private Recht auf Sanierung und Neuvermietung ist natürlich nicht anzutasten. Aber welchen Sinn macht eine Zwischensanierung für nur ein Jahr? Könnte die Stadt hier nicht entfallende Mieteinnahmen, wenn sie überhaupt relevant sein sollten, ausgleichen? Und wenn die Wohnungen nun wirklich geräumt werden müssen, dann fordert der FFF, in diesen Fällen von Familien mit vielen Kindern eben doch städtische Wohnungen zur Verfügung zu stellen, damit das ewige Hin und Her von Krieg, Flucht, Bleibe in diversen Aufnahmelagern, Flüchtlingsunterkunft, Zwischenwohnung, Flüchtlingsunterkunft mit ständig unterbrochenen sozialen Bindungen endlich mal ein Ende hat!